Weit lasst die Fahnen wehen
1. Weit laßt die Fahnen wehen,
Wir woll’n zum Sturme gehen
Frisch, frei nach Landsknechtsart.
Laßt den verlor’nen Haufen
Voran zum Sturme laufen
Wir folgen dicht geschart.
2. Die Mauern wir erklettern,
Die Türme wir zerschmettern
Und in die Stadt hinein.
Wer uns den Lauf will hemmen,
Sich uns entgegenstemmen
Der soll des Teufels sein.
3. Es harren unser drinnen
Wenn wir die Stadt gewinnen
Viel Gold und Edelstein
Das wird ein lustig Leben
In unserm Lager geben
Bei Würfelspiel und Wein.
4. Die Reihen fest geschlossen,
Und vorwärts unverdrossen!
Falle, wer fallen mag.
Kann er nicht mit uns laufen,
So mag er sich verschnaufen
Bis an den jüngsten Tag.
Die Hussiten zogen vor Naumburg
Die Hussiten zogen vor Naumburg
Über Jena her und Camburg;
|: Auf der ganzen Vogelwies`
Sah man nichts als Schwert und Spieß,
An die hunderttausend. :|
Als sie nun vor Naumburg lagen
Kam darein ein großes Klagen;
|: Hunger quälte, Durst tat weh,
Und ein einzig Lot Kaffee
Kam auf sechzehn Pfennig. :|
Als die Not nun stieg zum Gipfel,
faßt die Hoffnung man beim Zipfel;
|: Und ein Lehrer von der Schul’
Sann auf Rettung und verful;
Endlich auf die Kinder. :|
“Kinder”, sprach er, “ihr seid Kinder,
Unschuldvoll und keine Sünder!
|: Ich führ zum Prokop euch hin,
Der wird nicht so grausam ‘sin,
Euch zu massakrieren.” :|
Dem Prokopen tät es scheinen,
Kirschen kauft er für die Kleinen,
|: Zog darauf sein langes Schwert,
Kommandierte: “Rechtsum kehrt!
Hinterwärts von Naumburg!” :|
Und zu Ehren des Mirakel
Ist alljährlich ein Spektakel;
|: Kennt ihr nicht das Kirschenfest,
Wo man’s Geld in Zelten läßt?
Freiheit, Viktoria! :|
In einem kühlen Grunde
1.In einem kühlen Grunde,
Da geht ein Mühlenrad,
|: Mein Liebchen ist verschwunden,
Das dort gewohnet hat. :|
2. Sie hat mir Treu’ versprochen,
Gab mir ein’ Ring dabei,
|: Sie hat die Treu’ gebrochen,
Das Ringlein sprang entzwei. :|
3. Ich möcht’ als Spielmann reisen
Wohl in die Welt hinaus
|: Und singen meine Weisen
Und geh’ von Haus zu Haus. :|
4. Ich möcht’ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
|: Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht. :|
5. Hör’ ich das Mühlrad gehen,
Ich weiß nicht, was ich will;
|: Ich möcht’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still. :|
Aus Feuer ward der Geist geschaffen
1. Aus Feuer ist der Geist geschaffen,
Drum schenkt mir süßes Feuer ein!
Die Lust der Lieder und der Waffen,
Die Lust der Liebe schenkt mir ein,
Der Trauben süßes Sonnenblut,
Das Wunder glaubt und Wunder tut,
Der Trauben süßes Sonnenblut,
Das Wunder glaubt und Wunder tut!
2. Was soll ich mit dem Zeuge machen,
Dem Wasser ohne Saft und Kraft,
Gemacht für Frösche, Kröten, Drachen,
Und für die ganze Würmerschaft?
Für Menschen muß es besser sein;
Drum bringet Wein und schenket ein!
Für Menschen muß es besser sein;
Drum bringet Wein und schenket ein!
3. O Wonnesaft der edlen Reben!
O Gegengift für jede Pein!
Wie matt und wässrig fließt das Leben,
Wie ohne Stern und Sonnenschein,
Wenn du, der einzig leuchten kann,
Nicht zündest deine Lichter an,
Wenn du, der einzig leuchten kann,
Nicht zündest deine Lichter an!
4. Es wäre Glauben, Liebe, Hoffen,
Und alle Herzensherrlichkeit
Im nassen Jammer längst ersoffen,
Und alles Leben hieße Leid,
Wärst du nicht in der Wassernot
Des Mutes Sporn, der Sorge Tod,
Wärst du nicht in der Wassernot
Des Mutes Sporn, der Sorge Tod!
5. Drum dreimal Ruf und Klang gegeben!
Ihr frohen Brüder, stoßet an!
Dem frischen kühnen Wind im Leben,
Der Schiff und Segel treiben kann!
Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein!
Und trinket aus und schenket ein!
Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein!
Und trinket aus und schenket ein!
Auf dem Iselberge steh´ ich
1. Auf dem Iselberge steh´ ich,
drunten rauscht die Sill vorbei;
auf die Stadt hernieder seh´ ich,
wie beim ersten Mal im Mai.
Dortes sind schon manche Jahre-
war ich jung und war ich froh;
jetzt sind grau schon meine Haare.
Altes Herz, was klopfst du so!
2. Froher Bursch, das Herz voll Hoffen,
kannt’ ich Sorgen nicht und Leid,
stand die ganze Welt mir offen:
und die Welt, sie war so weit!
Wo ist alles nun geblieben,
was das heiße Herz durchdrang?
Junge Lust und junges Lieben
all’ vorbei, vorbei schon lang!
3. Wo sind sie, die mit mir schwärmten,
wie’s ein freier Bursche tut,
die in Innsbrucks Straßen lärmten
recht in Jugendübermut ?
Weit verstreut in alle Winde
hat sie rauh des Lebens Not:
müd’ sind, die ich wiederfinde,
mancher, mancher auch schon tot.
4. Nur der Inn rauscht noch wie immer
durch das Tal im weiten Schwung,
Innsbruck liegt im Sonnenschimmer
und die Berge, ewig jung,
türmen stolz sich auf gen Norden:
alles, alles noch wie einst!
Aber ich bin grau geworden.
Alter Bursch, ich glaub’ — du weinst.
Mein Westfalen
Ich seh Westfalens Berge,
ein Anblick wunderschön.
Die Extern Steine, Armenius auf dem Hügel stehen.
Seh den Kaiser Wilhelm auf den Bergen hoch empor.
Dort fliesst die Weser still wie durch ein Tor.
Das ist mein Westfalen, hier bin ich daheim. Hier bin ich geboren, hier will ich begraben sein. Hier bin ich aufgewachsen, verbrachte meine Kindheit. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei.
Ich seh die Sparrenburg in Bielefeld. Nein hier geh ich niemals weg, weil mir das hier gefällt. Ich seh die Felder jeden Sommer neu erblühen. Vernehm den Duft der Wälder, dieses Land ist einfach schön.
Das ist mein Westfalen, hier bin ich daheim. Hier bin ich geboren, hier will ich begraben sein. Hier bin ich aufgewachsen, verbrachte meine Kindheit. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei.
Das ist mein Westfalen, hier bin ich daheim. Hier bin ich geboren, hier will ich begraben sein. Hier bin ich aufgewachsen, verbrachte meine Kindheit. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei.
Das ist mein Westfalen, hier bin ich daheim. Hier bin ich geboren, hier will ich begraben sein. Hier bin ich aufgewachsen, verbrachte meine Kindheit. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei. Ich liebe mein Heimatland, denn hier fühle ich mich frei.
Vale Universitas
Aufnahme des Chors der K.St.V Neuenfels im KV zu Freiburg
1. Vale universitas
Bursa und Taberne!
Blumen dringen durch das Gras,
und es lockt die Ferne.
Zwar faßt unser fahrend Gut
leicht ein winzig Tüchlein,
doch was schadt’s, was not uns tut,
schafft das Zaubersprüchlein:
Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum, |: porro properando! :|
2. Abbas illustrissimus
ist in jungen Jahren
auch als vagans clericus
durch das Land gefahren.
D’rum winkt er dem Kellner gleich,
hört er drauß’ uns pochen,
denkt der Zeiten säldereich,
da er selbst gesprochen:
Sumus de vagantium . . . .
3. Seh’n wir im Vorübergeh’n
eine Maid im Gärtlein
zwischen Gilg und Rosen steh’n,
klopfen wir an’s Pförtlein.
Neigt sie sich verschämt uns zu,
fragend, was wir ‘gehren:
Einen Kuß, Blauäuglein du!
Einen Kuß in Ehren!
Sumus de vagantium . . . .
4. Vor dem Pfarrhaus schreckt ein Drach
oft uns arme Pilger:
,,Hebt euch weg, Vagantenpack!
Schnöde Weinvertilger!”
Doch es winkt des Pfarrherren Hand
hinter’m Drachen milde -
das Barett zieh’n wir galant
vor der bösen Hilde:
Sumus de vagantium . . . .
5. Tat ein Schloß auch nie sich auf
Feinden, die’s berannten,
stürmen wir’s im Siegeslauf,
fröhliche Vaganten.
Eine Tageweise hell
bläst zum Gruß der Türmer;
Herr und Troß ergibt sich schnell,
schallt der Ruf der Stürmer:
Sumus de vagantium . . . .
6. Und wenn ab das Glück sich kehrt,
uns’re Wangen blassen,
der die jungen Raben nährt,
wird uns nicht verlassen.
Steht sein Bild am Straßenrand,
traut im Tannenreise,
grüßen wir’s mit Mund und Hand,
und dann fleh’n wir leise:
Sumus de vagantium . . . .
Zu Ehr und Preis von Heidelberg
1.
Reicht mir das alte Burschenband
und reicht die alte Klinge,
daß ich zum Ritt ´gen Heidelberg
mich jetzt aufs Rößlein schwinge.
Heut fühl ich heiß Studentenblut
durchs Herz noch einmal wallen,
|: mir ist, als hört ich Becherklang
und Schlägerklirren schallen. :|
2.
Mir ist, als säh ich jugendfrisch
die alten Freunde wieder,
als hörte ich von Lieb und Wein
die alten frohen Lieder.
Und wie von jungem Liebestraum
die alten Lieder tönen,
|: Mir ist, als säh ich wieder sie,
die Schönste aller Schönen. :|
3.
Da streut noch einmal auf die Welt,
der Frühling seine Blüten,
wie damals, als in Lieb’ und Lust
die jungen Herzen glühten.
Füllt mir den Becher bis zum Rand,
und hell sei angeklungen,
|: zu Ehr’ und Preis von Heidelberg,
dem alten, ewig jungen! :|
Wütend wälzt sich einst im Bette…
1. Wütend wälzt sich einst im Bette
Kurfürst Friedrich von der Pfalz;
Gegen alle Etikette
Brüllte er aus vollem Hals:
|: Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint’s wieder voll gewest! :|
2. Na, ein wenig schief geladen,
Grinste drauf der Kammermohr,
Selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
Kamen mir benebelt vor,
|: War halt doch ein schönes Fest:
Alles wieder voll gewest! :|
3. So? Du findest das zum Lachen?
Sklavenseele, lache nur!
Künftig werd ich’s anders machen,
Hassan, höre meinen Schwur:
|: ‘s letzte Mal, bei Tod und Pest,
War es, daß ich voll gewest! :|
4. Will ein christlich Leben führen,
Ganz mich der Beschauung weihn;
Um mein Tun zu kontrollieren,
Trag ich’s in mein Tagbuch ein,
|: Und ich hoff, daß ihr nicht lest,
Daß ich wieder voll gewest! :|
5. Als der Kurfürst kam zu sterben,
Machte er sein Testament,
Und es fanden seine Erben
Auch ein Buch in Pergament.
Drinnen stand auf jeder Seit:
Seid vernünftig, liebe Leut,
Dieses geb ich zu Attest:
Heute wieder voll gewest.
6. Hieraus mag nun jeder sehen,
Was ein guter Vorsatz nützt,
Und wozu auch widerstehen,
Wenn der volle Becher blitzt?
|: Drum stoßt an! Probatum est:
Heute wieder voll gewest! :|
Wohlauf die Luft geht frisch und rein (Frankenlied)
1. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
Wer lange sitzt muß rosten.
Den allersonnigsten Sonnenschein
Läßt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
Der fahrenden Scholaren,
Ich will zu guter Sommerszeit
Ins Land der Franken fahren!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Ins Land der Franken fahren!
2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
Schwer ist das Korn geraten;
Sie können auf des Maines Flut
Die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
Die Kelter harrt des Weines;
Der Winzer Schutzherr Kilian
Beschert uns etwas Feines.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Beschert uns etwas Feines.
3. Wallfahrer ziehen durch das Tal
Mit fliegenden Standarten,
Hell grüßt ihr doppelter Choral
Den weiten Sonnengarten.
Wie gerne wär ich mitgewallt,
Ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben.
So muß ich seitwärts durch den Wald
Als räudig Schäflein traben.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Als räudig Schäflein traben.
4. Zum heilgen Veit vom Staffelstein
Komm ich emporgestiegen
Und seh die Lande um den Main
Zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
Umrahmen Berg und Hügel
Die breite, stromdurchglänzte Au.
Ich wollt, mir wüchsen Flügel!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Ich wollt, mir wüchsen Flügel!
5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
Dieweil es Zeit zu mähen;
Ich seh ihn an der Halde drauß’
Bei einer Schnitt’rin stehen.
Verfahrener Schüler Stoßgebet
Heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt’rin steht,
Dem mag man lange winken
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Dem mag man lange winken.
6. Einsiedel, das war mißgetan,
Daß du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh’s dem Keller an,
Ein guter Jahrgang drinnen.
Hohio! die Pforten brech ich ein
Und trinke, was ich finde.
Du heilger Veit vom Staffelstein
Verzeih mir Durst und Sünde!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Verzeih mir Durst und Sünde!
Das Frankenlied (seltener auch Lied der Franken) von Joseph Victor von Scheffel, ein literarisches Zeugnis der Wanderlust, ist zur inoffiziellen Hymne der Region Franken geworden. Sie wird in den Regierungsbezirken Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken auch bei offiziellen Anlässen, meist nach der deutschen Nationalhymne und der Bayernhymne, gesungen.
Der Text der inoffiziellen „Frankenhymne“ wurde von Scheffel im Sommer 1859 geschrieben. Er hielt sich damals mehrere Wochen im Kloster Banz nahe dem Staffelberg auf und bereiste in dieser Zeit die nähere und weitere fränkische Umgebung. Der Text wurde 1870 von Valentin Eduard Becker (* 20. November 1814 in Würzburg, † 25. Januar 1890 ebenda) vertont.
Sowohl im Internet als auch in Liederbüchern existieren mehrere verschiedene Versionen, die sich zumeist nur in Kleinigkeiten unterscheiden. Der Liedtext enthält auch inhaltliche Unstimmigkeiten. So ist der Winzer Schutzherr eigentlich der heilige Urban, der heilige Kilian gilt als der Patron des Frankenlands. Auch gibt es keinen heiligen Veit von Staffelstein, wohl aber in der Nachbarschaft einen heiligen Veit vom Ansberg; es könnte sich aber auch um einen der vierzehn Nothelfer der benachbarten Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen handeln. Die eigentliche Begründung für den Heiligen Veit von Staffelstein ergibt sich wahrscheinlich aus der Geschichte des Staffelberges heraus. Dort lebten von 1696 bis 1929 Eremiten, die dort ihren frommen Dienst versahen. Von Scheffel setzte dem Eremiten Ivo Hennemann mit seinem Lied ein unvergängliches Denkmal. So wird es in Scheffels Text beschrieben wie er zum “Veit” hinauf steigt (siehe Strophe 4) und dessen gut gelagerten Wein trinket (siehe Strophe 6).





